Ich wusste nie, was ich mit der Vorstellung anfangen soll, dass wir miteinander konkurrieren müssen.
Dass wir nur dann etwas wert sind, wenn wir mehr, schneller, stärker sind.
Wettbewerb. Nach welchem Maßstab? Nach dem Urteil des Körpers, des Materiellen, des Verstandes?
Es war mir immer fremd, andere niederzutreten.
Warum sollte das, was ich bin, nicht genug sein?
Warum sollte es nicht genug Raum, Platz und Möglichkeiten für alle geben?
Man hat uns auch beigebracht, uns einzuordnen, uns anzupassen – all jene, die nach menschengemachten Grenzen nicht als herausragend galten.
Unter Einssein verstanden wir ein Grauwerden, gegen das sich unser Herz zu wehren begann.
Der Verstand erinnerte sich nur daran, dass wir nicht gleich sind.
Nicht aber daran, dass unser einzigartiger, besonderer Seelencode – der uns unterscheidet – uns gerade dadurch alle zu unwiederholbaren Wundern der Schöpfung macht und dass jede einzelne Präsenz unverzichtbar und gleich wertvoll ist.
Also begannen wir, uns mit anderen zu messen.
Wie oft hörte man in der Schule, am Arbeitsplatz, im Training oder einfach unter Mädchen und Jungen, dass ein oder zwei Personen die Allerbesten seien (ihre Fähigkeiten anerkennend)?
Wir begannen, sie zu bewundern, während wir uns selbst immer kleiner fühlten – oder uns schließlich gar nicht mehr sahen.
Wir wurden uns selbst unsichtbar.
Wir blickten immer nach außen oder nach oben, nie nach innen.
Wir hörten auf, unsere innere Stimme zu hören, hüllten uns in Schweigen, und so wurde die Außenwelt noch lauter.
Wir löschten unser eigenes Licht, indem wir auf andere hörten.
Wir glaubten, wir seien niemand.
Ich weiß, wie sich das anfühlt – ich habe es selbst getan.
Ich irrte lange umher, bis ich mich damit abfand: Ich bin niemand.
Kein-Jemand? Kein-Ich?!
Der Lotus wurzelt im dunkelsten Sumpf, und doch weiß er, dass er eines Tages die Oberfläche erreicht.
Er sehnt sich nach dem Licht und zeigt sich früher oder später.
Doch er ist schon da, bevor er sichtbar wird. Er wächst.
Und wenn er sich öffnet, löscht er nicht das Licht einer anderen Blume aus, sondern fügt sein eigenes, wunderschönes Wunder hinzu – gemeinsam erschaffen sie die farbenfrohe, lebendige Welt auf der Wasseroberfläche.
So wandelt sich das Gefühl, „niemand“ zu sein:
von dem, der im Dunkeln verschwand, zu dem, der in der Tiefe Wurzeln schlug und sich von dort nach oben bewegte.
Denn genau die Kraft, die im Dunkeln gewonnen wurde, macht es nun möglich, an der Oberfläche zu erblühen.
Und wenn viele von uns gleichzeitig aufblühen, erwacht die Welt als herzerwärmende Quelle der Freude.
Ein Blumenteppich entsteht, in dem jede Farbe ihren Platz hat. Worte werden zu Liedern.
Jeder Mensch vergrößert mit seinem eigenen Licht das Strahlen, das Himmel und Erde verbindet.
Die Luft füllt sich mit Duft, und in diesem Meer – das die Tiefe und die Höhe des Lebens trägt – wiegen wir uns gemeinsam, existieren gemeinsam, solange die Welt besteht.
So strahle, Blume der Welten!
~Dajbukát Ildikó
Spirit touch healing