Ich weiß, was du fühlst. Der Schmerz spaltet das Herz und reißt dir die menschliche Stimme heraus. Zuerst denkst du: Wäre ich doch auch gestorben — dann müsstest du nicht fühlen, was dich, dich einst sorglosen und starken Menschen, einen artikulationslosen Schrei aus der Kehle stoßen lässt.
Der Glanz verschwindet aus den Augen.
Du willst selbst aufhören zu existieren. Du fragst das Schicksal: Warum hat es nicht mich gewählt?
Auch das bloße Vegetieren ist verständlich — denn der Mensch will überleben. Du brauchst einen Halt. Weil du die Tatsache nicht annehmen willst, dass jemand, den du von Herzen geliebt hast — und der dich bedingungslos liebte — gegangen ist. Du bleibst im Ende dieser Geschichte stecken. Alles verliert seinen Sinn. Denn das kann keinen Sinn haben.
Zuerst willst du dein altes Leben zurück. Dann wird alles egal.
Ein Stück von dir ist mit ihm/ihr auch gestorben.
Aber wenn du für ihn/sie das Leben gewählt hättest — wann entscheidest du dich, aufzustehen und zu leben?
Denn aus dir wurde er/sie, aus ihm/ihr wurdest du das, was du heute bist — das heißt: er/sie ist in dir, bei dir, wie es im Wort selbst liegt: zu dir gehörend.
Im Schmerz — und im Loslassen, in der Annahme des Unabänderlichen — liegt die Erlösung.
Warum betrauerst du sein/ihr Leben? Das ist sein/ihr Leben.
Du hast deins — hier.
Jedes Gesellschaftsspiel, das du jetzt spielst, jeder Spaziergang unter Frühlingsbäumen, jede Schlittenfahrt, jeder tanzend gegangene Schritt — alles, was dir Freude macht — weckt das alte gute Gefühl wieder auf.
Ja, du wirst weinen, wenn du die alte Schachtel wieder in die Hand nimmst, oder wenn deine Hände wieder einen Schneeball formen. Doch wie viele ungeweinte Tränen haben sich in dir gesammelt — Tränen, die nach dem Frost die Wärme deines Herzens tief in die Erde spülen kann.
Wie könnt ihr euch begegnen, wenn seine/ihre Seele leicht in freudiger Liebe schwebt — du aber noch immer die schweren Draperien der Trauer und die Kette des Zorns trägst?
Freu dich mit ihm/ihr — denn er/sie hat dich für sein/ihr ganzes Leben gewählt. Er/sie wusste, dass du nach dem Vegetieren wieder zu ihm/ihr finden kannst. Egal, wie lange es dauert. Er/sie hat dir vertraut. Er/sie wusste, dass du stark bist. Und ich weiß es auch. Ich sehe es.
Ich sehe dich.
Bis jetzt hast du dein Leben einem anderen gegeben — dem Vergehen, dem Tod.
Jetzt nimm es zurück, denn du bist noch hier! Du hast hier noch etwas zu tun.
„Aber wie?“ fragst du.
„Die Welt ist schon so lange grau. Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht.“
Erinnere dich.
Jeder zurückgehaltene Tropfen nährt die Wüste.
Du weißt bereits, wie es ist, wenn die Blume deiner Welt verdorrt.
Jetzt ist es Zeit, den Teil kennenzulernen, in dem das Licht die tränengetränkte Erde wieder mit Leben füllt.
Also gieße sie endlich — reichlich.
Das Leben bahnt sich seinen Weg. Manchmal wäscht der Fluss sein Bett über lange Strecken, manchmal stürzen Felsen in die Tiefe und weiten es.
Doch er fließt — bis er sein Ziel erreicht.
~Dajbukát Ildikó
Spirit touch healing
Bild: Csontváry – Der einsame Zedernbaum