Aus der Sicht des Lebens bedeutet ein Gipfel selten immer dasselbe, und fast immer gibt es danach einen weiteren Weg – nur nicht unbedingt so, wie wir ihn uns vorgestellt haben.
Der Höhepunkt der Sommersonnenwende ist nicht derselbe wie der Höhepunkt der Ernte. Der Höhepunkt der Blüte ist nicht derselbe wie das Reifen der Frucht. Der Höhepunkt der Kindheit ist nicht derselbe wie das Erwachsenwerden. Das erste Feuer der Liebe ist nicht dasselbe wie tiefes Vertrauen.
Das Wort Gipfel klingt, als gäbe es nur einen einzigen Berggipfel.
Doch das Leben gleicht eher einer Bergkette.
Du erklimmst eine Anhöhe und glaubst angekommen zu sein, dann weitet sich der Horizont und neue Täler, neue Anstiege werden sichtbar.
Was gestern noch wie ein Gipfel erschien, wirkt später vielleicht nur wie eine Station auf dem Weg.
Im Leben gibt es meist ein Danach. Nicht unbedingt als weiteres Wachstum, sondern als Verwandlung.
Ein Baum wächst nicht bis in den Himmel. Irgendwann wird er nicht mehr höher, sondern lässt seine Wurzeln tiefer reichen, trägt mehr Früchte, spendet Schatten und verteilt seine Samen.
Nach dem Gipfel folgt nicht zwangsläufig der Niedergang. Es kann eine andere Form von Fülle entstehen.
Gipfel sind nicht dafür da, dass wir für immer auf ihnen bleiben. Sie sind dafür da, dass wir von dort eine neue Landschaft sehen.
Das Leben bereitet uns nicht auf einen einzigen großen Gipfel vor, sondern auf viele verschiedene Formen der Erfüllung.
Vielleicht bist du heute über etwas hinausgewachsen, das du einst für den größten Gipfel deines Lebens gehalten hast.
Was ist daraus geworden?
~ Dajbukát Ildikó